Christine Lagarde schlug bereits im letzten Jahr einen versöhnlichen Ton an, wenn es um die Bewertung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen ging. So war es vor allem der Druck auf Zentralbanken, der von Kryptowährungen ausgehen kann, den  Lagarde hervorhob. Auch die Chancen, die Kryptowährungen für wirtschaftlich angeschlagene Länder bieten können, hob die Chefin des Internationalen Währungsfonds hervor – wir berichteten. In ihrer aktuellen Rede schlug sie vor, diese Vorteile zu nutzen – für ein digitales Zentralbankengeld.

Der Wind der Digitalisierung

Christine Lagarde äußerte sich also erneut zum Wandel, den digitale Währungen wie Bitcoin, Ethereum und Ripple der Welt bringen. Dahingehend sprach sie gar von einem Wind der Digitalisierung, der durch die Welt wehe:

„Ein neuer Wind weht, der der Digitalisierung. In dieser neuen Welt treffen wir uns überall und jederzeit. Der Marktplatz ist zurück – virtuell auf unseren Smartphones. Wir tauschen Informationen, Dienstleistungen, sogar Emojis, direkt aus…. Peer to Peer, von Person zu Person.“

Und all dieser Wind gehe, zumindest zu einem erheblichen Teil, von der sich ändernden Finanztechnologie aus. Lagarde also weiter:

„Wir bewegen uns durch eine Welt voller Informationen, in der Daten das ‚neue Gold‘ sind – trotz wachsender Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Cybersicherheit. Eine Welt, in der Millenials die Funktionsweise unserer Wirtschaft neu erfinden; mit dem Telefon in der Hand. Und das ist der Schlüssel zu allem: Das Geld selbst verändert sich. Wir erwarten, dass es bequemer und benutzerfreundlicher wird, während es vielleicht viel unseriöser aussieht.“

Bargeld vs. Bitcoin

In dieser Welt verliere Bargeld schließlich seine Bedeutung:

„Welche Rolle wird das Bargeld in dieser digitalen Welt noch spielen? Bereits jetzt sieht man Schilder in den Schaufenstern, die sagen: ‚Bargeld nicht akzeptiert‘. […] Wer tauscht in zehn, zwanzig, dreißig Jahren noch Papier aus? […] Selbst Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Ripple konkurrieren um einen Platz in der bargeldlosen Welt und erfinden sich ständig neu, in der Hoffnung, einen stabileren Wert und eine schnellere und billigere Abwicklung anzubieten.“

Die Rolle der Zentralbanken

Doch so ganz traut Christine Lagarde dem Frieden nicht. Sie bleibt ihrer Linie aus 2017 treu: Kryptowährungen bieten zwar ihre Vorteile, die Technologie sei jedoch noch nicht gänzlich ausgereift. Daher sei das reine Vertrauen in die Technologie ihr nicht genug, man brauche dann doch einen zentralen Herausgeber.

„Kryptowährungen ihrerseits versuchen, das Vertrauen in der Technologie zu verankern. Solange sie transparent sind – und man selbst technisch versiert ist – kann man ihren Dienstleistungen vertrauen. Dennoch bin ich nicht ganz überzeugt. Die ordnungsgemäße Regulierung dieser Einheiten wird eine Vertrauenssäule bleiben.“

Was ist also die Lösung, die die IWF-Chefin vorschlägt? Eine zentrale Stelle, die Bitcoin & Co. reguliert, kann es nicht geben. Daher erwägt Lagarde die Möglichkeit, eine Herausgabe von Kryptowährungen durch Zentralbanken zu versuchen:

„Meiner Meinung nach sollten wir die Möglichkeit der Ausgabe digitaler Währungen in Betracht ziehen. Es gibt für den Staat vielleicht eine Rolle, in der er Geld für die digitale Wirtschaft bereitstellt. Diese Währung könnte die Ziele der öffentlichen Ordnung, wie die finanzielle Inklusion sowie Sicherheit und Verbraucherschutz erfüllen und dem Privatsektor das bieten, was er nicht kann: Datenschutz bei Zahlungen.“

Neues Paper des IWF diskutiert die Rolle von Bitcoin & Co.

Letztlich geht Lagarde damit auf das neue Paper des IWF ein, in dem die Vor- und Nachteile für Kryptowährungen von Zentralbanken diskutiert werden. Darin heißt es:

„Kryptowährungen unterscheiden sich in vielen Dimensionen und haben Probleme, die Anforderungen an Währungen zu erfüllen, zum Teil wegen ihrer unberechenbaren Bewertung. Beispiele sind Bitcoin, Ethereum und Ripple. Diese Währungen unterliegen nicht der Haftung eines Instituts und werden nicht durch Assets abgesichert. Ihr Wert ist in der Regel volatil, da die meisten von ihnen starre Emissionsregeln haben.“

Dahingehend kommen sowohl Lagarde als auch das Paper des IWF zu dem Schluss: Digitales Zentralbankgeld wird mit Sicherheit kommen.

Was uns erwartet

Nun, für Nutzer von Bitcoin & Co. wird sich dadurch nichts ändern. Auch bis es zum Umschwung kommen wird, wird es noch etwas dauern. Bis dahin wird es interessant, ob sich Kryptowährungen in ihrer Entwicklung letztlich als Alternative absetzen können. Letztlich wird es sich dabei um eine digitale Abbildung des derzeitigen Systems handeln. Dazu Prof. Dr. Fabian Schär von der Uni Basel, Autor eines Papers, zum Thema:

„Elektronisches Zentralbankengeld wird kommen und ich finde diese Entwicklung grundsätzlich begrüßenswert. Man sollte sich aber bewusst sein, dass es sich hierbei nicht um Kryptowährungen im eigentlichen Sinne handeln wird. Alle mir bekannten Projekte verwenden im Wesentlichen eine zentralisierte Datenbank und beschränken den Zugang teilweise in einem nicht-unerheblichen Maße.“

Zentralisiertes Zentralbankengeld

Die digitale Form eines zentral emittierten Geldes ist letztlich der Gegenentwurf zu einem dezentralen Geldsystem wie Bitcoin. Die IWF versucht also, die Vorteile von Kryptowährungen zu nutzen und dabei das bestehende System weiterzuführen.

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