Neues Jahr, neue Heimat: Für den Hersteller von Bitcoin-Automaten Lamassu beginnt der Jahreswechsel mit einer Umsiedlung. Wie Mitgründer Zach Harvey pünktlich an Neujahr in einem Blog-Post verkündet, verlegt der Hardware-Hersteller erster Stunde seine Produktion in den Schweizer Kanton Luzern.

Gleichzeitig findet damit die bisherige Odyssee des Unternehmens ihr Ende. Zuvor hatte das Unternehmen jahrelang nach einem geeigneten Geschäftsstandort gefahndet. So waren die Portugiesen vorab bereits an solch Grundsätzlichem wie der Einrichtung eines Bankkontos gescheitert. Eine Vielzahl von Finanzinstituten hätten das Unternehmen aufgrund seines mit Unsicherheit behafteten Geschäfts abgelehnt, heißt es in dem Post.

„Das gesamte letzte Jahr waren wir bankenlos. Wir wurden von 15 Banken zurückgewiesen, nur weil wir Bitcoin-Automaten bauen. Dabei beachte man, dass wir nur Hardware herstellen und mit dem Handel oder der Aufbewahrung von Kryptowährungen nichts zu tun haben“,

beklagt Harvey.

Dass die Wahl nun auf die Schweiz gefallen ist, kommt nicht von ungefähr. In der für ihr offenes und diskretes Bankenwesen bekannten Eidgenossenschaft sei die Einrichtung eines Kontos ein Einfaches. Zudem fände man hier beste Umweltbedingungen, das Geschäft weiter voranzutreiben.

„In einer Region zu arbeiten, die so reich an Krypto-Entwicklung und Blockchain-Events ist, begeistert uns. Im ‚Krypto-Land’ wird der Hype zwar oft von der Realität eingeholt, trotzdem passiert in der Schweiz gerade auf jeder Ebene Aufregendes“,

so Harvey weiter.

Die Schweiz als Blockchain-Musterschüler

Während hierzulande Automaten-Betreiber zumeist von hohen Auflagen der zuständigen Finanzaufsicht BaFin abgehalten werden, boomt das Geschäft mit Bitcoin-ATMs derzeit besonders in der Schweiz. Allein die Hauptstadt Zürich beherbergt ganze zehn mobile Tauschstellen. Noch stammt davon nur eine aus dem Hause Lamassu. Wenn es nach den Wahl-Schweizern geht, soll sich dies bald ändern.

Bereits seit Längerem mausert sich das Alpenland zu einem der wohl krypto-freundlichsten Unternehmensstandorte in Europa. Beispiele erfolgreicher Blockchain-Adaptionen lassen sich zahlreiche finden. Unter dem Spitznamen ‚Crypto-Valley’ hat sich derweil besonders der Kanton Zug europaweit einen Namen gemacht. Aufgrund seines Engagements wurde der Kanton im Dezember vom Thinktank Atomico zum am schnellsten wachsenden Tech-Hub Europas gekürt.

Denn hier akzeptieren die lokalen Behörden nicht nur Steuerzahlungen und Gebühren in Bitcoin. Zudem beheimatet das Kanton den Verband Krypto Valley Association. Dieser verfolgt mit Unterstützung des Bundesrats das Ziel, in der Schweiz ein weltweit führendes Blockchain-Ökosystem aufzubauen. Zuletzt machten die Zuger zudem mit der ersten Schweizer Konsultativabstimmung auf Blockchain-Basis international von sich reden.

Und während dieser Trend auch in den anderen Kantonen seine Kreise zieht, scheint es wenig verwunderlich, dass sich neben Lamassu immer mehr Unternehmen für die Alpen als Geschäftsmittelpunkt entscheiden. Nur ein Beispiel ist da die geplante Umsiedlung des Börsenriesen Bitfinex, welche zuletzt für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Zwergstaaten locken Krypto-Unternehmen

Während der Schweizer Wirtschaft damit ein entscheidender Coup gelingt, versuchen die Gesetzgeber mehrerer zumeist europäischer Kleinstaaten nachzuziehen und das Rezept der Kantone zu kopieren. GibraltarMaltaLiechtenstein aber auch Schweden – eine offene Gesetzeslage und günstige Steuerbedingungen begrüßen immer mehr Krypto-Unternehmen und Blockchain-Start-ups erfolgreich mit offenen Armen. Wie lange sich deren Strategien steuerlicher Vorteile bewähren, bleibt mit Blick auf die EU-Gesetzgebung abzuwarten.

Bis diese der Bevorteilung von Unternehmensstandorten Einhalt gebietet, gilt nur noch als Frage der Zeit. Denn einseitige Steuervorteile und damit sogenannte regulatorische Arbitrage werden die Wettbewerbshüter aus Brüssel höchstens als kurzfristiges Versuchskaninchen hinnehmen. Langfristig jedoch wird die EU-Kommission ebensolche verhindern und ihrem Auftrag gemäß für gleiche Marktbedingungen sorgen.

Die politisch neutrale Schweiz kann sich demnach im Vorteil wähnen. Denn anders als etwa Liechtenstein unterliegt die Eidgenossenschaft nicht dem Regelwerk der EU. Damit wird sie auch in Zukunft alles tun können, um Unternehmen das Leben leicht zu machen und diese in ihre Kantone zu locken.

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