Abra wurde 2014 von Bill Barhydt, ein ehemaliger Software-Entwickler von Goldman Sachs gegründet. Neben dem Firmensitz im Silicon Valley betreibt das Unternehmen eine Niederlassung in Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Bisher lassen sich mit Abras App 50 Fiat- und über 30 Krypto-Währungen kaufen. Nun will das Unternehmen den Kauf von Aktien und ETFs, auch von Bruchteilen davon, ermöglichen. Im Gespräch sind etwa 50 Vermögenswerte, so beispielsweise Aktien von Facebook, Apple, Amazon, Google und Netflix, sowie die ETFs SPDR Gold Trust und der S&P 500.

Zielgruppe: Wahre Bitcoin-Jünger 

Die Zielgruppe dieser neuen Funktion sind laut Angaben Barhydts einerseits die „Bitcoin True-Believers“. Darüber hinaus soll das Feature Menschen aus Lateinamerika und Südostasien den Zugang zu westlichen Investmentmärkten erleichtern.

„Wir konstruieren Finanzprodukte auf Bitcoin-Basis, denn jetzt können wir zum ersten Mal den Zugang zum Investment auf globalem Maßstab demokratisieren. Es sollte keine Rolle spielen, wo man lebt oder wie viel man verdient, wenn man investieren und an Kapitalmärkten teilnehmen will,“

meinte Bill Barhydt. So könne man bereits mit einer Investitionssumme von fünf US-Dollar beginnen. In diesem Jahr sollen zudem noch keine Gebühren anfallen. Damit wäre eine Möglichkeit geschaffen, ausgehend von Bitcoin in traditionelle Finanzprodukte zu investieren.

Was die „Bitcoin True-Believers“ angeht, beruft sich Abra auf ihr Geschäftsprinzip „Non-Custodial“. Das heißt, dass Abra keinen Zugriff auf die Vermögenswerte der Kunden hat und diese auch nicht speichert. Das macht „Transaktionen sicherer und anonymer, als es bei zentralisierten Datenbanken der Fall ist. Das ist das Problem der meisten Exchanges,“ so der CEO, „solange sich die Nutzer von Abra an Krypto-Währungen halten, können sie völlig anonym bleiben.“ Das wirft in Zeiten von „Know-Your-Customer“ freilich Fragen auf. Doch da Barhydt als ehemaliger Mitarbeiter von Goldman Sachs auch in rechtlichen Belangen bewandert ist, erwarte er keinen Ärger von der SEC, der amerikanischen Finanzaufsichtsbehörde. Schließlich sei Abra „weder Vormund der Kundschaft noch Broker. Bei uns werden Aktien weder verkauft noch als Wertpapiere gehandelt. Das einzige, was wir unseren Kunden anbieten, sind Wetten auf derartige Geschäfte,“ erklärte Barhydt.

Krypto-Kollateralisierung

Was die neue Sparte Abras einzigartig macht, sei das Konzept der „Krypto-Kollateralisierung“. Dieses erklärt Abras an folgendem Beispiel: „Wenn Sie 1000 US-Dollar in Apple-Aktien investieren wollen, werden Sie Bitcoin im Wert von 1000 US-Dollar über einen Vertrag zur Verfügung stellen. Steigt oder fällt der Preis von Apple im Vergleich zum US-Dollar, wird entsprechend Bitcoin zur anfänglichen Summe hinzugefügt oder abgezogen. Wenn Sie den Vertrag kündigen, sagen wir Sie verkaufen die Apple Aktien, wird der Wert der Aktien in Bitcoin gut geschrieben. Der Wert in Bitcoin kann dann bequem, oder transparent, in US-Dollar oder in jede andere Vermögensklasse umgewandelt werden,“ heißt es auf der Homepage von Abra. Man besitzt also im Endeffekt nicht die Aktie oder das Wertpapier, vielmehr kann man sich das als einen „Treuhänder-Account vorstellen, [an dem] automatisierte Geschäftshandlungen hängen, die für Ein- oder Auszahlungen sorgen, je nachdem wie sich die Wette entwickelt“, meint er.

Fazit

Neben den Zielgruppen des neuen Features, konnten sich auch Kunden aus Europa erst in jüngster Vergangenheit über ein einfacheres Handling freuen. Damit sind also im Prinzip zwei weitere Zuflusskanäle hin zum Hauptstrom Bitcoin angelegt. Allerdings drängt sich bei genauerer Betrachtung die Frage auf, ob der Hauptstrom Bitcoin oder nicht eher „Finanzinstitutionen“ heißt. Mit einem Auge kann man sich durchaus über den potentiellen Zulauf freuen. Mit dem anderen sollte man jedoch eine mögliche Unterwanderung des Kryptoversums von einem ehemaligen Goldman Sachs-Mitarbeiter kritisch im Blick behalten.

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