BTC-ECHO: Warum braucht es in der Chemieindustrie unbedingt eine Blockchain-Lösung? Hätte es nicht auch eine normale Datenbank getan?

Marcel Kuhs: Es gibt keinen Blockchain Use Case, der nicht auch ohne Blockchain funktionieren könnte – außer Bitcoin (bzw. Krypto). Die Frage stellt sich aber gar nicht. Es geht darum, was wir durch Blockchain verbessern können. Im Fall von AZHOS schaffen wir Transparenz über die Güter und synchronisieren durch den Einsatz von E-Money auf der Blockchain die Finanz- mit den Warenströmen.

BTC-ECHO: Um die gesamte Wertschöpfungskette zu tracken und einen Proof of Existence zu ermöglichen, müssen alle Akteure über IoT-fähige Sensoren verfügen. Ist das gegenwärtig denn schon der Fall oder wird das noch mehrere Jahre dauern, bis die Sensorik-Infrastruktur ausreichend groß ist?

Marcel Kuhs: Der Stand der Infrastruktur ist sowohl zwischen den Industrien als auch Unternehmen sehr unterschiedlich. Wir selbst greifen zum Start auf tausende bereits installierte Datenpunkte weltweit zurück, in unserem Falle zumeist Radar- und Durchlaufsensorik. Es war sehr wichtig, die Lösung auf bestehende Systeme aufzubauen. Damit sind wir in der Lage, allen großen Partnerunternehmen eine leichte Adaptierung dieser Technologie zu ermöglichen.

BTC-ECHO: Da ihr einen Security Token und keinen Utility Token herausgebt, stellt sich die Frage, ob eurer Projekt überhaupt auf Dezentralität ausgelegt ist. Wie steht ihr dazu?

Marcel Kuhs: Unser Projekt ist nicht auf Dezentralität ausgelegt. Wir haben uns gegen eine Public Chain entschieden wegen der üblichen Themen: Skalierbarkeit, Privacy usw. Wir arbeiten mit der Permissioned Blockchain Quorum für unseren Zweck.

BTC-ECHO: Wie wickelt ihr Zahlungsströme in eurem Ökosystem ab? Ausschließlich klassisch über Fiatwährungen oder nutzt ihr dazu auch Token?

Marcel Kuhs: Weder noch und sowohl als auch. Wie skalierbar ein Use Case in der Industrie ist, hängt von der Kompatibilität des Systems ab. Sowohl rechtlich als auch technisch. Bitcoin oder andere Kryptowährungen sind also nicht praktikabel, da sie von Konzernen nicht verbucht werden können. Stattdessen arbeiten wir mit E-Money, also „echtem Geld“, welches zwar über die Blockchain transferiert, aber in die IBAN-Accounts gebucht wird.

Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, weil es einen entscheidenden Vorteil bringt: programmierbares Cash! Stell dir einen Produzenten mit hunderten Kunden vor. Diesen Kunden jetzt beizubringen, dass sie zukünftig die Gelder an einen anderen Empfänger senden müssen (z. B. Factoring- Dienstleister), ist völlig unrealistisch. Wir reden hier von Verträgen zwischen mindestens drei Parteien (Produzent, Kunde, Bank, vielleicht sogar Logistikdienstleister), die in diesem Maße ohne unwirtschaftlich hohe Aufwände nicht einfach geändert werden können. Durch Smart Contracts können die Zahlungen jedoch automatisch entsprechend adressiert werden, ohne extra Kundenaufwand.

BTC-ECHO: Gab es auch den Gedanken, einen ICO anstatt eines STO zu machen und zu versuchen, einen Token Use Case zu entwerfen?

Marcel Kuhs: Ja, den gab es. Wir wollten ein Funding generieren und dann das Business darauf aufbauen. Wir hätten das auch zu dieser Zeit machen können, weil der Markt boomte. Mit unseren Partnern und dem Advisory Board wäre das auch kein Problem gewesen. Allerdings ergab der Utility Token in diesem Kontext keinen Sinn und die Gefahr hätte darin bestanden, ein seit zwanzig Jahren bestehendes Unternehmen und dessen Glaubhaftigkeit zu gefährden. Daher haben wir auch nach Rat unseres Advisors und nach Teamabsprache davon abgesehen. Stattdessen haben wir zuerst das System aufgebaut und mit unseren Industriepartnern erfolgreich im Rahmen von POCs erprobt.

BTC-ECHO: Wie sieht es von der regulatorischen Seite aus? Verbrieft euer in Liechtenstein herausgegebener Security Token die gleichen Rechte wie eine klassische Aktie?

Marcel Kuhs: Wir geben keinen Token heraus, der nicht von der FMA genehmigt ist. Einen Security Token zu entwerfen ist leicht, viele machen das zur Zeit. Mit echter Genehmigung einer Finanzmarktaufsicht allerdings nur die Wenigsten. Der Token kommt am ehesten einem Genussrecht gleich. Investoren erhalten einen 51-Prozent-Gewinnanspruch bis hin zur Verdopplung des Investments. Danach sinkt der prozentuale Gewinnanspruch bei steigenden absoluten Gewinnen. Der Token beinhaltet allerdings ein wesentliches Feature: Er kann auf unserer P2P-Finanzierungsplattform gestakt werden und erzielt somit laufend Rendite aus den finanzierten Shipments für die Industrie.

BTC-ECHO: Wie kann man euren Security Token handeln? Eine Security Token Exchange gibt es schließlich noch nicht.

Marcel Kuhs: Wir werden keinen Verkauf ohne Exit starten. Wir haben letzte Woche nun eine entsprechende, schriftliche Erklärung einer Exchange erhalten, dass sie den Token, so wie er gestaltet ist, listen wird.

BTC-ECHO: McAfee wird bei euch als Advisor aufgeführt. Hand aufs Herz: Hier steckt doch mehr Promo als aktive Beratung hinter?

Marcel Kuhs: Das war unsere ursprüngliche Absicht. Daraus ist am Ende allerdings mehr geworden. Heute berät John uns bei Fragen zum Thema Cyber Security und hat dafür auch ein sehr gutes Netzwerk. Tatsächlich war John derjenige, der uns damals vom ICO abgeraten hat und vorschlug, mit diesem Projekt Ventures anzugehen. Er war der Meinung, dass wir keinen Token brauchen. Das öffentliche Bild von John kann ich also nicht bestätigen, denn er hätte zu der Zeit am meisten von einem ICO profitiert. Ich weiß nichts von dem Absprachen mit anderen Firmen, aber in unserem Fall gibt es keinen bezahlten Content seitens John McAfee und bislang nur konstruktive Unterstützung.

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